johannes | 27 April, 2010 02:52
Nach fast 5 Monaten Winter wurde es hier endlich wieder grün und sommerlich. Man sieht Menschen beim Rasen mähen, spazieren oder “Garage cleaning” und manchmal hört man die Musik von Mr. Dingeling “The Ice Cream Man”.
Im März besuchten wir Disneyworld in Florida. Wir fuhren mit dem Auto, indem wir in 22 Stunden Fahrt, die gesamte Ostküste entlang führen. Es wurde immer grüner und wärmer mit jeder Stunde die wir Florida näher kamen. In Disney übernachteten wir in der Animal Kondom Lodge und wachten mit Giraffen vor dem Fenster auf. Wir besuchten alle Parks, die noch größer und erstaunlicher waren als ich erwartet habe.
Wir kamen von Florida zurück und der gesamte Schnee war weg. In der Woche fingen endlich die Spring Sports an: Track (Leichtathletik), Baseball und Golf. Ich bin im Track-team mit dem ich jeden Tag nach der Schule trainiere. Wir gewannen unser erster Turnier gegen eine Nachbarschule und “The Evening Telegram” schreibt: “Frankfort wins with promissing new runner Johannes Keller”...
Während meiner “Spring Break” fuhren wir nach Kanada. Dort besuchten wir die Familie meines Native American Gastvaters in deren Reservat. Es gibt 5 verschiedene Native American Stämme. Mein Gastvater und seine Familie gehören einem der größten Stämme an: den “Mohawks”. Stämme unterscheiden sich in ihrer Sprache und zum Teil in ihrer Kultur. In dem Reservat das ich besuchte, gab es keine Indianerzelte oder Federschmuck, wie es sich mancher vorstellen würde. Es sind normale Häuser, Straßen, Supermärkte und Restaurants. Der Gründe, dass Amerikaner mit Native Amerikanischen Vorfahren in den Reservats leben ist verschieden: zum einen werden in Reservats keine US-Steuern verlangt, wodurch dich die Regierung für die Diskriminierung von native americans in der Vergangenheit entschädigen möchte. Außerdem können nur native americans in den Reservats leben, was eine Gemeinde entstehen lässt. In meinem Fall, hatte das Reservat eine eigene Infrastruktur, Schulen, eine Zeitung in der Sprache Mohawk und einige kulturelle Ereignisse. Ich wunderte mich warum im Haus der Familie meine Gastvaters überall Schildkröten verteilt waren und fand später heraus, dass die Familie dem Schildkrötenklan angehört. Dies wird von der Mutter an die Kinder weitervererbt. Am nächsten Tag überquerten wir die Grenze nach Kanada um nach Montreal zu kommen. An der Grenze zogen sie uns allerdings raus und befragten mich gründlich, was ich als Europäer in den USA mache. (Ich werde häufig als Europäer angesprochen, weil Amerikaner Europa oft sehr viel einseitiger einschätzen als es wirklich ist. So werde ich manchmal gefragt “How do you guys do this in Europe” und ich antworte “Well I can tell you how we do it in Germany, but I'm not sure about all the other countries”) Letztendlich bekam ich doch meinen Stempel und wir konnten weiter fahren. Bald bemerkten wir, dass alle Straßenschilder in Französisch waren und auch im Hotel wurden wir mit “bonjour” begrüßt. Zum Glück sprachen die meisten Einwohner zumindest ein wenig Englisch wir konnten, die “Nodre Dame Cathedral”, “old Montreal” und andere Sehenswürdigkeiten besuchen. Als wir auf dem Weg zurück nach Frankfort die Adorandeck Berge durchquerten, sahen wir einige Amish-people in Pferdekutschen und durchquerten Orte wie „New Berlin“, „Poland“, „Russia“ oder „Rome“.
Den Rest meiner Spring Break verbrachte ich mit Freunden beim Golfen, Tennis oder Baseball spielen.
Jetzt sind noch gut zwei Monate übrig und ich bin sehr zufriedene damit. Es war sehr erlebnisreich und toll und mit dem Besuch meiner Familie und meinem High School Abschluss werden diese 2 Monate auch sehr gut, aber langsam freu ich mich wieder sehr auf zu Hause.
johannes | 27 Februar, 2010 18:58
Einiges ist wieder passiert, seit ich das letzte Mal geschrieben habe.
Amerikanisches oder in meinem Fall eher Italo-Amerikanisches Weihnachten besteht zu großen Teilen aus Essen, Familie und Geschenken. An Heilig Abend trifft sich die ganze Familie zum Dinner und nur Kinder dürfen schon ein Paar Geschenke auspacken. Die Richtigen kommen allerdings erst am nächsten Morgen, weil sie Santa in der Nacht zum ersten Weihnachtsfeiertag bringen wird. Mein kleiner Gastbruder Jonah hat Kekse und Milch für Santa bereitgestellt und weil wir nur einen kleinen Schornstein haben, hat er den Schlüssel unter die Fußmatte gelegt, um sicher zu gehen, dass seine Geschenke planmäßig abgeliefert werden können. In der Nacht hat er allerdings kaum schlafen können und am Nächsten Morgen weckte er mich um 6 damit wir ins Wohnzimmer gehen. Wir bekamen später Besuch von Nachbarn und Verwandten und gingen dann wieder zum Familienessen.
Am zweiten Weihnachtsfeiertag fuhren wir nach North-Carolina zu Patenonkel und Patentante einer meiner Gastväter. Dabei kamen wir durch Pennsylvania, Maryland, West-Virginia und Virginia. Mit den Blue Ridge Mountains, dem Shenandoah River und West Virginia musste ich an “Take Me Home Country Roads” von John Denver denken. Wir wohnten in einer Log-Cabin, eine Art Naturholzhaus in den Blue Ridge Mountains. Dort waren wir nach einem Eissturm eine Weile eingeschneit und haben deshalb die meiste Zeit im Pool oder Wohnzimmer verbracht. An Silvester gab es kein Feuerwerk, stattdessen sieht man im Fernsehen die Kugel am Time-Square fallen und isst wieder ausgiebig :-) Eine Freundin von mir war in New York am Time-Square und konnte mir berichten, wie es war.
In New-York ist es im Januar noch sehr kalt und wir haben gut 30cm Schnee. Das ist allerdings nicht so schlimm. Ich bin in der Schule bis 15 Uhr dann gehe ich in unseren schuleingenen Fitnessraum und bereite mich auf Leichtathletik vor und später treff ich mich mit Freunden gehe zu den Spielen meiner Schule oder spiele indoorsoccer Spiele. Viele meiner Mitschüler verbringen viel Zeit mit Skifahren oder Snowmobilen. An Wochenenden gehen wir oft ins Kino, Essen, treffen uns bei Freunden, fahren zu den Malls usw. Trotzdem freuen sich die meisten Jugendlichen hier sehr auf den Frühling und Sommer.
Als die Tante meines Gastvaters starb wurde ich leider auch Zeuge einer Italo-Amerikanischen Beerdigung. Verwandte von überall kamen angereist und organisierten alles. Zuerst war die 4-stündige Totenwache bei der Freunde und Bekannte der Familie ihr Beileid zeigen. Am nächsten Tag war die große Beerdigung mit hunderten Familienangehörigen und Freunden und einem Leichenzug mit schwarzer Stretch-Limousine...
Die Basketball, Wrestling und Volleyball Saison ist vorbei und Baseball, Golf und Leichtathletik starten im März. Mit dem letzten Heimspiel der Basketballmannschaft kam der Winterweekend-Dance in meiner Schule. Dort wurde wieder ein Court mit Winterweekend-King und Queen gewählt und eine Spirit-Week veranstaltet. Es wird viel in der Schule angeboten, wie die Talentshow, bei der ich mit einigen Freunden ein paar Lieder spielte und bei der überaschenderweise sehr viele Schüler teilnahmen.
Das erste Semester ist vorbei und Alles ging schnell obwohl so viel passiert ist. Ich hab mich perfekt eingelebt, bin bekannt und beliebt, hab Freunde und Hobbies gefunden und auch die English-Probleme und Kulturschock sind vorbei. Oft freut man sich wenn man Klischees widerlegen oder bezeugen kann. Was mir stark aufgefallen ist, als ich hier neue Leute kennengelernt hab, ist das ich Charakter getroffen hab die mich an Freunde in Deutschland erinnern; der gleiche Charakter, nur mit den kulturelen Unterschieden.
Was ich immer wieder von Amis höre ist: “Gotta give credit where credit is due”. Ich denke das ist ein wichtiger Teil der Kultur, weil Amerikaner sehr stolz auf ihre Leistungen sind aber auch anderen großen Respekt zeigen. Trotz ihrem großen Nationalstolz loben sie viele andere Länder für Dinge von denen sie gehört haben. So werde ich immer wieder auf Sauerkraut, Wurst, Autos, Fußball, Autobahnen und auf das deutsche Bier angesprochen.
Ich habe zwar jeden Tag Mittagsschule doch es ist geht sehr viel entspannter zu als ich es von der deutschen Schule gewohnt bin. Man trifft viele Freunde, hat Study Halls und der Unterricht erfordert normalerweise kaum Mitarbeit. Man muss auch nicht viel lernen, weil der Unterrichtsstoff hauptsächlich in Form von Quizes über die Hausaufgaben abgefragt wird.
johannes | 09 Dezember, 2009 21:21
Nun ist es Dezember, hier schneit es diese Woche zum ersten Mal und es wird deutlich kälter. Die outdoor sports sind seit etwa einem Monat vorbei. Mein Soccerteam hat es recht weit gebracht. Wir wurden Meister in unserem Landkreis und sind dann aber leider im Halbfinale der Bezirksauswahlen ausgeschieden. Jetzt spiele ich indoorsoccer. Andere Wintersportarten an unserer Schule sind Basketball, Bowling, Wrestling und Volleyball.
Die Footballsaison ist damit natürlich auch vorbei und mit dem letzten Heimspiel des Footballteames kam Homecoming. Es ist einer der 3 großen Bälle in der americanischen High School. Am Tag des Homecoming-games, was meistens ein Freitag ist, wird oft eine “peperally” veranstalltet. Dort werden die Spieler motiviert und geehrt, und die Mitglieder des Homecoming-Courts werden verkündet. Der Court besteht aus 7 Paaren die von den Schülern gewählt wurden. Aus diesen 7 wird wiederrum der Homecoming-King und die Homecoming-Queen gewählt. Die Wahl sollte diejenigen mit dem größten schoolspirit oder besondere Vorbilder treffen, trifft aber oft einfach die beliebtesten Schüler. Ich wurde in den Homecoming-Court gewählt, dürfte aber nicht zum King gewählt werden, weil ich erst ein Paar Wochen Mitglied der Schule war. Das Homecominggame ist den Spielern sehr wichtig, trotz schlechtem Wetter war fast jeder Schüler, alle Lehrer und Eltern bei dem Spiel und haben die Heimmannschaft unterstützt. Nachdem beim Ball der Homecoming-court vorgestellt wurde ging es in einen gewöhnlichen Ball über, bei dem die ganze Schule anwesend war.
Jetzt haben inzwischen die Hallenspiele angefangen. Bei den Spielen trifft man Freunde und feuert seine Schule an.
Am 26.11 war dieses Jahr Thanksgiving. Es ist der Dank der amerikanischen Einwanderer an die Native Americans, die ihnen in ihrer Hungernot zeigten, wie man in Nordamerika Ackerbau betreibt und Nahrung findet. An diesem Tag fährt man zu Verwandten und hat ein großes Dinner, in der Regel mit einem Truthahn.
Am Tag nach Thanksgiving beginnt die Christmasshoppingsaison mit Black Friday. Hier bieten einige große Ketten, wie Wallmart oder Macy's große Rabatte, verkaufen aber nur eine begrenzte Anzahl und beginnen damit mitten in der Nacht. Die Leute sind dort absolut verrückt und in Massen. Ich fand mich ohne eine Minute Schlaf um 4 Uhr Nachts in Wallmart mit Tausenden von Menschen um mich herum und wollte eigentlich nur in mein Bett :-)...
In die Schule habe ich mich längst gewohnt, wenn es hier auch einige entscheidende Unterschiede zum deutschen Schulsystem gibt.
Englisch zu sprechen ist auch kein Problem mehr. Ich werde gelegentlich auf meinen Akzent angesprochen und das eine oder andere Wort fehlt auch; aber es ist kein Problem.
So hat sich nach den ersten 2 Monaten alles ein wenig gelegt und die erste Euphorie ist vorbei. Dann fängt man an alles etwas kritischer zu sehen, und obwohl alles läuft wie es sollte fühlt man sich nicht immer so wohl. Das Heimweh kommt wieder etwas zurück und man fängt an manche Aspekte der anderen Kultur zu kritisieren - Der Kulturschock. Es ist ein ständiges auf und ab... Mir ging es meistens gut. Nur war ich manchmal auch sehr erschöpft von den ersten Monaten hier. Neue Heimat, Schule, Freunde, Familie, Kultur. Man kann viel daraus lernen doch es ist auch sehr anstrengend.
Weihnachten steht vor der Tür und viele Amerikaner dekorieren ihre Häußer. Über Silvester werd ich mit meinen Hostparents zu Verwandten nach North Carolina in die Berge fahren. Davor versuch ich nach NYC zu kommen und mir den Weihnachtsbaum vor dem Rockerfellercenter anzusehen. Es ist jedes Jahr der größte Weihnachtsbaum in den USA.
johannes | 14 September, 2009 04:13
Nach meiner ersten anstrengenden Schulwoche komm ich jetzt dazu wieder etwas zu schreiben.
Ich habe von 8am bis 2.45pm, fünf Unterrichtblöcke und dann bis ca. 17 Uhr Soccertraining. Meine Fächer sind AP Calc (Mathe), AP Government und Politik, AP English, Physik, Drawing/Painting und Health/Computer Applications. AP steht für advanced placement. Es sind die schwersten Kurse und werden bereits als Collegepunkte angerechnet. Ich wurde wegen meinen guten Noten in Deutschland als Senior (12te Klasse) eingestuft und durfte auch alle Kurse belegen die ich wollte. AP English werde ich wahrscheinlich zu English 12 herunterstufen, nachdem ich gesehen habe wie sich selbst amerikanische Jugendliche an den Texte und Gedichten sehr schwer tun.
Der erste Schultag war sehr überwältigend. Es geht alles sehr schnell und man hat oft nur 3 Minuten Zeit, um zum nächsten ca. 80 minütigen Unterrichtblock zu kommen. Aber es wurde von Tag zu Tag einfacher und es wird nicht mehr lange dauern bis ich mich auch an die Schule gewöhnt habe. Der Einstieg fiel mir leicht, weil ich aus meinem Soccerteam und von ein Paar Parties schon viele Schüler aus meiner kleinen Schule kannte. Als Senior dürfen wir zum Lunch die Schule verlassen. Wir gehen meistens zu gemeinsam nach Hause und machen Sandwiches oder wir gehen in eins der vielen Fast Food Restaurants. Die Schule macht Spaß, weil die Lehrer ein freundschaftlicher mit den Schülern umgehen als ich es aus Deutschland kenne. Trotzdem ist aber vieles recht streng. So braucht man einen “pass” vom Lehrer um während des Unterrichts den Raum zu verlassen. Außerdem hat man viel Hausaufgaben zu erledigen und schreibt häufig Kurztests, die sich dann allerdings von den letzten Hausaufgaben handeln. Der school spirit ist sofort zu spüren und reißt einen mit sich. Bei Footballgames ist die gesamte Schule anwesend und trägt die Farben der Mannschaft. In den Gängen sieht man Pokale der letzten Jahrzenhnte; man ist stolz auf seine Schule und seine Schule und dann geht man doch auch lieber dorthin :-).
Der Unterricht besteht oft mehr aus langen Vorträgen der Lehrer und unterstützt so das sehr akademische feeling. Alle Schüler sitzen an Einzeltischen und absolut keiner redet im Unterricht! Der mediale Einsatz ist sehr hoch. Weil ich einer der 4 einzigen Schüler meiner Schule bin, der AP Calc gewählt hat, werden wir aus der Nachbarstadt über “distance learning” unterrichtet. Das bedeutet, wir haben einen Fernseher in unserem Klassenzimmer und sehen dort eine Lifeübertragung des Unterrichts an einer anderen Schule. Der Lehrer dort sieht und hört uns mit Hilfe von Kameras und lässt und am Unterricht teilhaben. Es funktioniert sehr viel besser als man erst annimmt. Aber am Ende des Unterrichts fällt einem garnicht mehr auf das der Lehrer 20 Meilen von einem entfernt ist.
Die Schulsports nach dem Unterricht stärken den Zusammenhalt. Bei unsrerem ersten Soccergame stand es trotz einiger Chancen unsererseits bis zur 60ten Minute 0:0. Unser “Coach JP” schrie immer wieder: You are fine, you just have to finish. Das Stadion war brechend voll, ein Großteil der Schule anwesend alle schreien, pfeifen, fiebern mit. Schließlich schieß ich das überfällige Tor und das Stadion tobt! Ein unglaubliches Gefühl! Schoolsports werden sehr, sehr ernst genommen. Am abends werden die Ergebnisse im Fernsehen übertragen und am nächsten Tag war ich in der Zeitung. Gestern hatten wir ein Soccerturnier und wieder einmal ging das gut gefüllte Stadion verrückt, als wir den ersten Platz erspielten. Ich bekam einen award für “best players of the day”. Es war also wirklich eine sehr gute Entscheidung hier mit Soccer anzufangen. Es macht Spaß es wird einem sehr hoch angerechnet und vor Allem lernt man sehr schnell Leute kennen.
Meine Gastfamilie ist nach wie vor sehr tolerant und nett. Sie bieten mir jedes an mich in die Schule oder ins Training zu fahren und ich werde jedes mal von Freunden abgeholt :-). Sie geben mir sehr viele Freiheiten, weil sie mich für sehr verantwortungsvoll und erwachsen halten. So kümmert es sie zum Beispiel nicht wann ich nach Hause kommen, sie wollen nur wissen wie. Sie verlangen auch nie, dass ich mich zwanghaft an etwas anpasse, weil es in der amerikanischen Gesellschaft sehr wichtig ist “comfortable” zu sein. Was sie verlangen, ist Teilnahme am Familienleben, und nachdem sie meine Gastfamilie sind ist das selbstverständlich. Sie verstehen sehr viel Spaß, was auch die meisten anderen Erwachsenen betrifft. Aus europäischer Sicht sind die Erwachsenen hier recht kindisch oder ein wenig verrückt, doch es ist nun mal Amerika: Man arbeitet hart, um Wohlstand zu genießen. Dinge die anderswo Tabu oder verpöhnt sind werden hier frei ausgelebt. Man merkt noch recht deutlich wie stark die Beweggründe der amerikanischen Einwanderer in der Gesellschaft verankert sind. Es ist ganz einfach: der American Dream!!!
Hier beginnt nun der Herbst, die meisten Leute schließen ihren Pool und schalten die Klimaanlage ab; die Blätter wechseln die Farbe; morgens ist es kühler und Nebel steht in den Tälern. Dort über die Hügel zu fahren und in die Täler zu schauen ist unglaubliches oder wie Amerikaner gern sagen “awesome”. Die bunten Wälder auf den Hügeln werden von dürren Wiesen und einzelnen Höfen mit rießigen Grundstücken unterbrochen. Die Holzverschalten Häuser sind oft sehr verwittert und überall sieht man die kompliziert verdrahteten Oberleitungen, die grünen oder gelben Straßenschilder und die amerikanischen Mailboxes. New York State hat style! :-)
Der starke Patriotismus ist noch manchmal in plegde of allegiance oder Flaggen zu spüren, doch fällt auf, dass vor Allem junge Generationen sehr kritisch gegenüber Amerika sind. Viele sind enttäuscht von George W. Bush oder schockiert von Skandalen wie Watergate. Sie verlieren das Vertrauen in die Regierung und scheren die Politiker gerne über einen Kamm. Dazu kommt auch das unser Bild von großem Wohlstand in allen Bereichen des amerikanischen Lebens nicht stimmt! Manche Amerikaner haben 3 Jobs um ihre Familie zu ernähren und andere haben 6 verschiedene Autos vor dem Haus stehen. Es ist ein Kapitalstaat und so gibt es viele Extreme, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Es gibt unglaublich Fortschrittliche Technologie und oft verschwenderischen Überfluss und auf der anderen Seite gibt es große Armut. Seit 1991 kommen auch vermehrt sozialdemokratische Vorschläge in die U.S-Politik, weil damals eine Studie zeigte, das 14% der Amerikaner unter der Armutsgrenze leben. So sind die Diskussionen über eine staatlich gesichterte Gesundheitsversicherung nun kein Wunder.
Die Amerikaner sind unglaublich selbstsicher. Das hat gute und schlechte Seiten. Eine gute Sache ist ihre Selbstständigkeit. Jeder tut was er für richtig hält und nicht wozu ihn die “Norm” zwingt. Es gibt kaum Gruppenzwang in der Schule. Die Schüler sind selbstbewusst genug, die Kleidung zu tragen die ihnen gefällt und nicht die, die gerade inn ist! Auf der anderen Seite verlieren viele Jugendliche den Respekt vor Autoritätspersonen, was sich zum Beispiel in sehr lebendigen und lautstarken Konflikten mit dem Schulrektor äußert.
Doch ich bin sehr froh solche Dinge kennenzulernen und die positiven und negativen Seiten ausfindig zu machen. So lernt man von einer anderen Kultur.
Ich bin nun einen Monat bei meiner Gastfamilie und die Zeit verging wie im Flug. Inzwischen ist das Englisch kein Problem und auch Gedanken sind schon lange nur noch Englisch. Wenn man dann wieder etwas deutsches liest oder schreibt schlägt es um und manchmal verwirrt es einen auch ein wenig :-).
Und jetzt die Frage die hier noch viel häufiger gefragt wird, als in Deutschland (es ist eigentlich eine Art Gruß und keine Frage mehr): “How are you, Tschohannes?”
Mir geht es gut und ich fühl mich hier sehr wohl.johannes | 18 August, 2009 21:20
Nach einem anstrengenden Flug von Stuttgart nach New York Newark erfuhr ich, dass meine beiden Koffer verloren gegangen sind. Das war kein Problem, weil die Koffer am nächsten Tag schon im Hotel auf mich warteten, während ich den Scheck der Lufthansa auf der 5th Avenue verbraste :-)... Das New York Programm war sehr strickt. In den 2 Tagen besichtigten wir unter anderem folgende Sehenswürdigkeiten: Die Freiheitsstatue, Rockerfellercenterrrrrrrr, Ground Zero, 5th Avenue, Broadway, Wallstreet, Chinatown, Time Square, Central Park... Besonders beeindruckend war die Aussicht vom Rockerfellercenter über Manhattan bei Nacht! Sehr gut waren auch Time Square bei Nacht und 5th Avenue-shopping. In der letzten Nacht in New York kamen wir leider nicht mehr dazu zu schlafen, weil meine 2 Freunde aus Ulm schon um 6 weiter fliegen mussten. So war ich ziemlich müde als ich bei meiner Hostfam ankam und es ging anstrengend weiter. Mittags gingen wir zum barbecue abends in ein steakhouse und am nächsten Tag in einen amusementpark. Am Montag war ich in der Schule und machte meine Kurswahl, die sehr gut verlief. Ich komm in die 12te Klasse/ Senior, darf mein Diplom machen und durfte alle Kurse nehmen die ich wollte. Danach besorgten wir mir ein Handy. Ich zahlte vielleicht ein viertel des Preises der in Deutschland üblich gewesen wär und auch die Flatrate in alle Netze kostet ein Bruchteil des deutschen Preises. Abends hatte ich mein erstes Soccertraining und machte ein paar Bekanntschaften mit sehr netten amerikanischen Jugendlichen. Nun hab ich mal wieder ausgeschlafen und einfach ein wenig am Pool relaxed. Es war alles sehr überwältigend und zu viel auf einmal! Alles auf english, alles neu und alles anders...
Der Eindruck den ich bis jetzt von den Amis habe ist eigentlich sehr gut. Sie sind sehr freundlich, offen und zuvorkommend. Ihr Motto: „Make it big“, ist überall deutlich erkennbar :-). Sie sind außerdem sehr viel risikofreudiger und impulsiver als wir in good old germany. Das merkt man an Sprüchen wie: I'm working hard for this money, why shouldn't I spend it?! Sie leben schlicht mehr in den Tag hinein als wir. Ihre Einstellung zur Ernährung ist wirklich fast so wie es in Germany angenommen wird. Sie essen viel fast food und trinken auch vorwiegend „Soda“ oder Lemonade. Allerdings sind sie lange nicht so unmäßigwie man es in manchen Filmen sieht und zumindest hier in Frankfort wäre mir nicht aufgefallen, dass es viel mehr üüber gewichtige Menschen als in Deutschland gibt...
Soweit also meine ersten Tage hier. Auch wenn es oft nicht leicht ist und ich mich auch noch nicht wirklich zu Hause fühle geht es mir eigentlich sehr gut. Und meine wirklich nette Hostfam gibt sich alle Mühe es mir so leicht wie möglich zu machen!
johannes | 26 Mai, 2009 13:19
Entscheidung und Vorbereitung meines Auslandsjahres in den USA
Alles begann mit dem USA -Aufenthalt einer Freundin, die mein Interesse an dem Thema weckte. Schließlich habe ich mich im Internet informiert und mir einige Broschüren zuschicken lassen. Anfangs war ich nicht wirklich überzeugt, betrachtete alles recht oberflächlich und sah hauptsächlich die Kosten als negatives,- und das „Film-USA“ als positives Argument. Wegen meinen guten Noten bewarb ich mich schließlich auf einige Stipendien um das Kostenproblem zu lösen, obwohl ich mir immer noch nicht sicher war, ob ich diesen Austausch überhaupt machen wollte. Mit den Stipendien änderte sich einiges. Von den 4 Organisationen bei denen ich mich beworben hatte bekam ich Unmengen von Formularen zugeschickt, in denen ich alles über mich und meine Motivation, ein Auslandsjahr zu machen, aufschreiben sollte. Nun beschäftigte ich mich ausführlich mit dem Thema. Von Tag zu Tag fielen mir neue Aspekte auf, die mich letztendlich davon überzeugten, in jedem Fall die elfte Klasse in Amerika zu verbringen. Kurz zusammengefasst kann man nun sagen, dass mein Hauptgrund der war, meinen Horizont zu erweitern. Viele Dinge werden in anderen Ländern anders gehandhabt, in allen Gebieten! Wenn man sich selbst damit konfrontiert, kann man nur daraus profitieren. So erkennt man auch sich selbst, seine Stärken und Schwächen besser, findet neue Interessen und Talente und betreibt durch das Kennenlernen neuer Menschen aktiv „Networking“. Selbstverständlich lernt man auch Englisch, versteht eine neue Kultur und andere Mentalitäten und Lebensweisen. All das bringt einen weiter, weil es einen Jugendlichen mit Dingen konfrontiert, die er so nie bewusst wahrgenommen hätte. Er fängt an, kritisch über Dinge nachzudenken die er davor als selbstverständlich angesehen hatte. So war es für den deutschen Durchschnittsschüler 10 Jahre lang an der Tagesordnung, dass Schüler die Schule schwänzen oder Lehrer verspotten. Nun erlebt er an einer amerikanischen High-School den freundschaftlichen Umgang von Schülern und Lehrern und spürt wie ihn der School-Spirit und das starke Gemeinschaftsgefühl in seinen Bann reißen! Vom einen auf den anderen Tag wird er sein scheinbar unfehlbares Bild einer langweiligen, strengen Schule überdenken. Doch auch negative Seiten werden ihm auffallen, wenn er zum Beispiel plötzlich komplett an das Auto seiner Gasteltern gebunden ist. Mit all diesen Dingen muss er sich beschäftigen, und genau daran wird er wachsen!
Natürlich gab es auch einige Hürden und Probleme, die zu bewältigen waren. Für viele Familien sind schon die Programmkosten von rund 7000€ ein Grund, die Pläne des Kindes schnell wieder zu vergessen. Dabei gibt es eine Vielzahl von Lösungen dafür. Zum einen kann man außer den Eltern auch andere Verwandte fragen ob sie den Traum bezuschussen wollen. Nicht selten kommt dort schon einiges zusammen. Außerdem gibt es einige Stipendien und Zuschüsse von den verschiedensten Organisationen. Man kann sich im Internet, in Broschüren oder telefonisch informieren. Gerade Jugendliche mit Eltern mit geringem Einkommen, haben gute Chancen auf ein Stipendium. Für diese gibt es außerdem die Möglichkeit auf ein Auslands-BAföG welches sich stark nach dem Vermögen der Eltern richtet. Außerdem gibt es Stipendien für kreative, sportliche, engagierte, besonders begabte oder soziale Schüler. Darum sollte man immer darauf achten, welches am Besten zu den eigenen Leistungen passt. Nicht immer muss man ein besonders gutes Zeugnis vorweisen um für ein Stipendium in Frage zu kommen!
Ich erhielt ein Teilstipendium von der Organisation Ayusa über 750€ und ein BAföG-Zuschuss von insgesamt etwa 5500€. Die Auswahlverfahren waren dabei bei allen Förderungen unterschiedlich, doch meistens beinhalteten sie ausführliche Bewerbungsunterlagen, die auf Englisch ausgefüllt werden mussten. Oft sind die Stipendien auch in mehrere Runden unterteilt und erfordern die Teilnahme an einem Stipendienauswahltag, wo man verschiedenen Tests unterzogen wird. In jedem Fall lohnt sich die Bewerbung auf ein Stipendium, denn selbst wenn man keines erhält, hat man sich zumindest mit dem Thema beschäftigt und oft auch für das Basisprogramm bei den Organisationen qualifiziert, sodass man dann zumindest am Programm teilnehmen kann ohne sich nochmal gesondert anzumelden.
Als ich mich also zu einem Auslandsjahr entschieden hatte, nahm ich das Teilstipendium an und war in das Programm aufgenommen. Das war ungefähr im Dezember. Ich musste eine ganze Weile warten bis wieder Post von Ayusa kam. Diesmal war es eine E-Mail mit einem Gastfamilienangebot, ein alleinstehender Mann in Mississippi. Dieses Angebot durfte ich ablehnen. Dies tat ich auch und bekam gleich am nächsten Tag das nächste Angebot zugeschickt. Wieder eine sehr spezielle Platzierung, welche mein und das Einverständnis meiner Eltern benötigte. Es handelte sich um ein so genanntes „Same Sex Couple Placement“, dass heißt gleichgeschlechtliche Gasteltern. In meinem Fall 2 Männer und ein Adoptivsohn in New York Staate. Auch hier hatte ich vorher so manche Zweifel, wieder war es keine herkömmliche Familie. Doch genau das war im Endeffekt ein Grund die Platzierung anzunehmen: Neues Kennenlernen!
Also nahm ich die Gastfamilie an und kontaktierte sie sofort, als ich die genauen Familieninformation bekommen hatte. Diese wussten noch nicht, dass ich sie angenommen hatte und freuten sich unglaublich über meine E-Mail. Seither sind wir in ständigem Kontakt und ihre wirklich offene und freundliche Art lässt viele bestehende Zweifel verschwinden.
Etwa 3 Monate vor Abflugtermin fand mein Vorbereitungswochenende in Würzburg statt. Dort hatte man die Möglichkeit sich mit vielen Vorträgen, Workshops, Rollenspielen und Fragen intensiv auf das kommende Jahr vorzubereiten. Besonders schön war es, viele gleichaltrige Jugendliche zu treffen, die sich in der gleichen Situation befinden um mit ihnen Erfahrungen und Gedanken auszutauschen.
Nun, weniger als 3 Monate vor dem Abflug gibt es noch einiges zu Organisieren. Die Vorfreude wächst, doch in gleichem Maße auch die Angst oder besser ausgedrückt der Respekt vor der langen Abwesenheit aus Deutschland und den möglichen Problemen im Ausland. Dies war von Anfang an so, immer hab ich den Austausch mit gemischten Gefühlen betrachtet, weil man so ein Jahr nicht mit einem zweiwöchigen Strandurlaub in Florida vergleichen kann! Vieles, was bereits feststand, wird man nochmal überdenken. Doch ich bin mir sicher, ich will dieses Auslandsjahr machen!
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